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Thema: Mali

  1. #1
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    Mali

    Seit Anfang 2012 eskaliert in NW Afrika eine kleine Krise vor sich hin.
    Mit dem Ende der Aufstände in Libyen kamen Tuareg mit moderneren Waffen zurück nach Mali. Sie verloren die Auseinandersetzung auf der Regierungsseite - nun unterstützen sie eine extrem islamistische Miliz zu der sich auch Al Kaida Kämpfer (Medienberichten zu Folge) gesellten, die sich anschickt Mali zu erobern.

    Im letzten März hat dann das Militär gegen eine der wenigen demokratisch gewählten afrikanischen Regierungen geputscht - mit der Begründung die Regierung handle nicht durchgreifend gegen die Aufständischen.

    Die zarte Pflanze der malischen Demokratie ist also nicht mehr.

    Seit einigen Tagen hat M. Hollande seine Legion und seine Armée de l' air auf die Aufständischen gehetzt - das hat ein ziemliches Medienecho hervorgerufen aber die Bevölkerung dieses Landes will nicht so recht in Stimmung kommen. Karneval findet also wahrscheinlich statt. Auch die üblichen Rufe nach einem Ende des Krieges um Resourcen sind noch nicht laut geworden - vielleicht hat im Januar auch noch niemand so recht Lust auf die Straße zu gehen - so ganz nüchtern.

    Evtl. haben die Menschen auch einen Instinkt für wirklich knifflige Dinge entwickelt - ein paar Tuareg von ihren auf Toyotas montierten MGs zu ballern könnte schließlich einfacher zu bewerkstelligen sein als z.B. in Afghanistan eine Bewegung zu besiegen, die in Pakistan stattfindet.

    Man hat es im Moment dort lediglich (siehe oben) mit ein paar versprengten Milizionären aus dem Libyen Konflikt - der nun relativ fix beendet war - zu tun. Die Versuchen sich nun vermutlich in der Sahara vor der französischen Luftwaffe zu verstecken. Viel Glück.

    Dieses Brett ist also offenbar allen zu dünn um sich darüber aufzuregen.

    Das es durchaus eine Hoffnung auf einen erfolgreichen Militäreinsatz der Franzosen gibt - dafür gibt es zwei weitere starke Indikatoren:

    Am augenfälligsten ist, dass Jürgen Trittin sich für eine volle Unterstützung durch die Bundesrepublik stark gemacht. Das muss bedeuten, dass andere das Problem schon voll im Griff haben.

    Zu den 1000 französischen Soldaten kommen noch 3300 Soldaten aus dem Niger, Senegal und Burkina Faso (Hauptstadt Ouagadougou - Peer Steinbrück Freunde erinnern sich) - das sollte zum Bewachen von 20 bis 30 Pickup-Truck Trümmerfeldern reichen.

    Achso - Westerwelle ist voll auf dem Rückzug, betont, dass wir Frankreich voll zur Seite stehen: Nur eben mit der Einschränkung, das wir in diesem Krieg nicht kämpfen werden. Da in so einem Krieg aber wenig anderes passiert muss Frankreich ganz alleine klar kommen (sagen die Medien, denn afrikanische Truppen zählen nicht). Er sitzt also wie immer falschrum auf dem falschen Pferd.

    Hier gibt's also echt nichts neues zu sehen...
    A human being should be able to change a diaper, plan an invasion, butcher a hog, conn a ship, design a building, write a sonnet, balance accounts, build a wall, set a bone, comfort the dying, take orders, give orders, cooperate, act alone, solve equations, analyze a new problem, pitch manure, program a computer, cook a tasty meal, fight efficiently, die gallantly. Specialization is for insects."
    Robert Anson Heinlein

  2. #2
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    Warum kommen die Franzosen nicht der syrischen Regierung im Kampf gegen islamistische Milizen zur Hilfe? Zumal angeblich Al Kaida-Kämpfer darunter sein sollen.

  3. #3
    Administrator Avatar von tdd
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    Hi
    weil Frankreich aus der Gegend (Niger/Mali) Uran für ihre Kernkraftwerke bezieht und nicht aus Syrien.
    mfg
    tdd

  4. #4
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    Zitat Zitat von zarakthuul Beitrag anzeigen
    Warum kommen die Franzosen nicht der syrischen Regierung im Kampf gegen islamistische Milizen zur Hilfe?
    Weil die Regierung in Mali im Gegensatz zu Syrien offiziell um Hilfe gebeten hat, iirc. Das macht die Rechtfertigung eines Militäreinsatzes wesentlich einfacher als in Syrien.
    Zumal fehlt hier die kritische Einflußnahme anderer Staaten wie zb aus Moskau. Die ehemaligen Kolonien sind doch nahezu ein exklusive Spielplatz für Frankreich.

  5. #5
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    Böse

    Zitat Zitat von tdd Beitrag anzeigen
    Hi
    weil Frankreich aus der Gegend (Niger/Mali) Uran für ihre Kernkraftwerke bezieht und nicht aus Syrien.

    Hinzu zu fügen wäre noch, dass zahlreiche europäische und nordamerikanische Konzerne und Firmen, Anteilseigner zwischen 25 und 60 %, an den reichen Gold, Uran, Kupfer und Phosphat und anderen Vorkommen und der entsprechenden Förderung und Vermarktung sind.

    Das sind Milliarden Investitionen, für die man schon mal einen islamistischen Popanz aufbauen und eine an die Macht geputschte, abhängige und willfährige Militärregierung unterstützen kann.

    Da lohnt es sich auch mal wieder das Militär marschieren zu lassen, unter der "false Flag" des humanistischen Krieges.

    Diesen internationalen "Interessenten", geht es um keinen einzigen Malier oder Malierin, sondern in erster Linie darum, ihr Eigentum zu retten und zu sichern.

    Holland aber, braucht dringend, nach seinem anhaltenden innenpolitschen Debakel, zumindest einen außenpolitischen Teilerfolg.

  6. #6
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    Zitat Zitat von Imago Beitrag anzeigen
    Weil die Regierung in Mali im Gegensatz zu Syrien offiziell um Hilfe gebeten hat, iirc. Das macht die Rechtfertigung eines Militäreinsatzes wesentlich einfacher als in Syrien.
    Zumal fehlt hier die kritische Einflußnahme anderer Staaten wie zb aus Moskau. Die ehemaligen Kolonien sind doch nahezu ein exklusive Spielplatz für Frankreich.

    Na ja, wie das mit dem "offiziellen Bitten um Hilfe", durch eine abhängige Regierung funktioniert, haben wir ja wohl schon des Öfteren und von allen Seiten erlebt.

    Als z. B. damals die afghanische Regierung die Sowjetunion offiziell bat, ihr beim Kampf gegen die sogenannten, von den US-Amis aufgestellten, ausgerüsteten und ideologisch unterstützten Mudschaheddin zu helfen, fegte sofort empörter Aufschrei durch die "freie" westliche Welt und man sprach fast einhellig von "kommunistischer Aggression und Invasion.

    Als vorher fast das Selbe in Vietnam oder anderswo geschah und die, ach so freien und demokratischen Menschenrechtsverteidiger USA zur Hilfe gerufen wurde, war alles natürlich ok.

    Also immer Vorsicht, wenn es um ideologische, ökonomische oder scheinbar humanistische Erbpachthöfe geht. Es stecken immer weniger ehrbare Ziele dahinter, als offiziell verbreitet.

    Das dumme Volk muss auch in Stimmung gebracht werden und das klappt am besten, wenn man den Gegner verteufelt, entmenschlicht und als sehr gefährlich darstellt.

  7. #7
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    Zitat Zitat von Barrakuda Beitrag anzeigen
    Hinzu zu fügen wäre noch, dass zahlreiche europäische und nordamerikanische Konzerne und Firmen, Anteilseigner zwischen 25 und 60 %, an den reichen Gold, Uran, Kupfer und Phosphat und anderen Vorkommen und der entsprechenden Förderung und Vermarktung sind.

    Das sind Milliarden Investitionen, für die man schon mal einen islamistischen Popanz aufbauen und eine an die Macht geputschte, abhängige und willfährige Militärregierung unterstützen kann.

    Da lohnt es sich auch mal wieder das Militär marschieren zu lassen, unter der "false Flag" des humanistischen Krieges.

    Diesen internationalen "Interessenten", geht es um keinen einzigen Malier oder Malierin, sondern in erster Linie darum, ihr Eigentum zu retten und zu sichern.

    Holland aber, braucht dringend, nach seinem anhaltenden innenpolitschen Debakel, zumindest einen außenpolitischen Teilerfolg.
    Auch diese Worte

    Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.
    des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler am 22. Mai 2010 in einem DLF-Interview, obwohl von schonungsloser Klarheit, kosteten u. a. deshalb ihm das Amt.

    Warum soll es in Mali dort mit Frankreich anders sein? Von den deutschen Interessen ganz abgesehen. Aber für die reicht hier vielleicht 'ne afrikabewährte Transalll?
    NIHIL HUMANI A ME ALIENUM PUTO. -
    Nichts menschliches ist mir fremd. (Menander)
    Politisches Salzland
    Timirjasev-Verein

  8. #8
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    Zitat Zitat von Detlef05 Beitrag anzeigen
    Auch diese Worte



    des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler am 22. Mai 2010 in einem DLF-Interview, obwohl von schonungsloser Klarheit, kosteten u. a. deshalb ihm das Amt.

    Warum soll es in Mali dort mit Frankreich anders sein? Von den deutschen Interessen ganz abgesehen. Aber für die reicht hier vielleicht 'ne afrikabewährte Transalll?

    Na ja, ich halte auch diese Aussage von Köhler für nicht all zu schonungslos, auch wenn sich dadurch einige unserer kleinen und großen politischen Lügenbolde, auf den Schwanz getreten fühlten. Allerdings war sie in dem allgemeinen offiziellen Lügensumpf ein ermutigender Lichtblick.

    Köhler trug, ob nun absichtlich oder nicht, zumindest zur Entlarvung der verschleiernden Politik der Regierungen bei.

    Natürlich ist es in Mali, im Irak, in Afghanistan und in anderen Gebieten und Ländern, in denen die sog. westliche Welt, angeblich mit humanitären Einsätzen für Frieden und Menschenrechte sorgen nicht anders.

    Angriffskriege wurden noch nie um Menschenrechte, Humanität, religiöse Freiheiten oder gar Frauenrechte geführt. Dazu sind Kriege viel zu teuer und die Nutznießer in Banken und Konzernen sind gewöhnlich gute Rechner.
    In allen Kriegen seit Menschengedenken, ging es immer um Land, Bodenschätze, Macht und andere geopolitische Ziele.

    Darum lehne ich auch Kriege als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ab.
    Mit Kriegen wurde noch nie Frieden geschaffen und mit Krieg als der höchsten Form des Terrorismus, wurde noch nie ein anderer Terrorismus erfolgreich bekämpft. Eher ist das Gegenteil der Fall.

    Das ist meine Überzeugung.

  9. #9
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    Was geht uns Mali an?

    Erhellendes zu unserem Verhältnis zu Afrika auch von Ken Jebsen, heute bei FB: "Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Die meisten davon in Afrika. Was tun wir? Nichts. Aber jetzt in Mali entdecken wir plötzlich unser Herz für Menschen. Ein schlechter Witz ohne Pointe.

    Als Thomas Sankara vor rund 25 Jahren all das, das was WIR, die Entwicklungshelfer, seit langen vorgeben zu tun, AFRIKA HELFEN, tat, wurde er unter Mithilfe des Französischen Geheimdienstes ermordet und verscharrt. Wer die aktuellen Geschehnisse in Mali verstehen will, muss sich nur 10 Minuten mit Thomas Sankara und Obervolta beschäftigen. Ein Land, das an Mali grenzt und von seinem damaligen Präsidenten Thomas Sankara innerhalb von vier Jahren in eine Phase geführt wurde, die es unabhängig von Exporten machte. Thomas Sankara benannte sein Land um. Aus Obervolta wurde Burkina Faso.

    "Land der Aufrechten Menschen"

    Wir im Westen sind alle Lügner. Wir benehmen uns wie die Pusher am Kotti. Wir wollen gar keine Afrikaner, die FREI sind. Wir wollen, dass sie an der Nadel von IWF & Co hängen."

  10. #10
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    Zitat Zitat von Oliver Beitrag anzeigen
    Wir wollen gar keine Afrikaner, die FREI sind. Wir wollen, dass sie an der Nadel von IWF & Co hängen."
    So wertvoll und richtig diese Erkenntnis manchen erscheinen mag, so unverzichtbar ist aber auch, sie der Vollständigkeit halber nicht nur auf Afrika zu beschränken. Sie gilt ebenso vor unserer Haustür: Südeuropa. Und möglicherweise gilt sie sogar für die weniger Glücklichen in unserem eigenen Land.

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