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Thema: 1000 Mann für Afghanistan

  1. #11
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    Ach Detlef, da geht es um so viel mehr. Die USA sind Deutschlands Schutzmacht, gleichzeitig sind wir Verbündete in einem großflächigen "westlichen" Militär-, Ideologie- und Machtgebildes. Das JA steht für alles oder nichts. Ein jetziger Abzug ohne tiefere Gründe wäre ein vernichtender Schlag gegen unsere eigene geopolitische Ausrichtung. Das hat alles mit Afghanistan nichts zu tun. Wir sind ein Teil der NATO, wir sind ein Teil der US-geführten westlichen Imperialpolitik.
    Bevor wir uns davon lösen, sollten wir ernsthafte Alternativen besitzen. Europa ist noch nicht so weit als das es alleine auf den Füßen stehen könnte. Was bliebe, eine Verbrüderung mit Russland? Das ist wohl mit Blick auf osteuropäische Ziele nicht fruchtbar. Es gibt sie nicht, die schönen Alternativen. Es sei denn man möchte sich selbst Schwächen oder aus der Imperialpolitik aussteigen, und das hat Deutschland nicht als Ziel. In Berlin ist man froh nach "langer" Abwesenheit zurück auf der Weltbühne zu sein.

    Afghanistan interessiert dabei nicht die Bohne...jedenfalls nicht für die BRD.
    Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt.
    Hubert Reeves

  2. #12
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    @Neuklon:
    Brilliant! Selten wurden alle Hintergründe so knapp, aber deutlich und erschöpfend ausgesprochen!
    NIHIL HUMANI A ME ALIENUM PUTO. -
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  3. #13
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    Reden

    Afghanistan ist schon so eine richtige Erfolgsgeschichte. Fast so toll wie USA und der Irak wo der Frieden mehr Todesopfer gefordert hat als der Krieg. Wie wir Seite an Seite mit den Warlords die Taliban vertrieben haben und jetzt einerseits unsere BW für die einheimischen Verbündeteten eine funktionierende Infrastruktur aufbaut um einen erfolgreichen Drogenhandel betreiben zu können und andererseits unsere Polizei den dringend benötigten Nachwuchs für die Taliban ausbildet.
    Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wußte das nicht und hat's gemacht.
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    Lieber die Polizei am Telefon, als die Strassen voll bewaffneter Irrer.

  4. #14
    Administrator Avatar von Fokker
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    Zitat Zitat von Neuklon
    - auch in Pakistan hat sich die Lage deutlich verändert. Die neuen Machthaber kämpfen endlich mit der erforderlichen Härte gegen Terroristen im eigenen Land. Damit wird das Rückzugsgebiet der Taliban eingekreist. Augenblicklich mit der Beendigung der Machtunterstützung von Seiten der USA zu Musharraf konnte dieser sich nicht mehr seinen Gegnern im Inland erwehren und klein beigeben. Offiziell waren es Wahlen, ja ja...

    - die USA haben bereits begonnen ihr Hauptaugenmerk auf Afghanistan zu verlegen und Pakistan nicht auszuklammern. Das sind genau die Taten nach jenen Worten von Obama...
    Na, ob sich hier die große Änderung einstellt, wage ich doch zu bezweifeln. Wer sagt uns denn, dass die Pakistanis nicht wie eh und je leere Häuser beschießen und dies dann als Erfolg gegen die Extremisten verbuchen? Auch die verlinkten Schlagzeilen gab es unter Musharrafs Herrschaft genauso.
    Zudem gerät Pakistan in ernste Schwierigkeiten, der Staatsbankrott droht. Nicht zuletzt durch Korruption und den Krieg gegen den Terror. Zardari ist keinesfalls über jeden Zweifel erhaben, schließlich ist er auch bekannt als "Mr. Ten-Percent".

    Was man auch nicht vergessen darf: Es gibt zwischen der pakistanischen Armee und den Islamisten starke Bande. Zum einen sind in der Armee selber Islamisten und zum anderen wurden die Taliban zum Teil von den Pakistanis ausgebildet. Jetzt diese Armee zu einem effektiven Vorgehen gegen die einstigen Freunde/Verbündeten zu bewegen ist eine Gratwanderung.

    Zitat Zitat von Neuklon
    Damit macht der Einsatz in Afghanistan wieder Sinn...das Blatt hat sich gewendet. Zu verdanken ist das einzig und allein der endenden Macht von Bush. Jetzt war/ist Raum da um verfehlte Strategien zu ersetzen.
    Das möchte ich doch sagen ist ein optimistischer Blick in die Zukunft und keine Interpretation der Gegenwart.

    Zitat Zitat von Leitwolf
    Bitte? Wie kommst du denn zu dieser Einschätzung? Die Iraner sind Shiiten und bei den irakischen Sunniten wahrscheinlich noch verhasster als die Amerikaner.
    Na das will ich doch auch meinen. Eher wäre dem Iran doch ein Irak lieber, der mit sich selbst im Bürgerkrieg beschäftigt ist, als ein starker, fast schon traditioneller Gegner.

    Zitat Zitat von Neuklon
    Wir sollten uns vor Augen halten das Deutschland 2001 dem Einsatz als Bündnisfall zugestimmt hat, soviel vor den Augen der USA als auch der NATO. Zumindest in der Vergangenheit war das deutsche Wort etwas wert.
    Hm, da bemühe ich mal ein Zitat: "Bündnisfall auf immer?" Von Frau Vollmer. Die Schutztruppe in Afghanistan ist außerdem auf ein Ersuchen der afghanischen Regierung dort stationiert.
    Man sollte sich schonmal überlegen dürfen, ob das alles so sinnvoll ist und da kann auch kein Totschlagsargument wie "deutsches Ehrenwort" etwas daran ändern - was das deutsche Ehrenwort wert ist, sollte man aus der Geschichte gelernt haben.

    Aber es ist sicherlich nicht geboten unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. Die Frage ist nur, wie lange wir bleiben sollen. Welche Perspektive gibt es und wie könnte eine Exitstrategie aussehen? Ungeklärte Fragen, die unbedingt eine Antwort erfordern, bevor man an weiteres Engagement in Afghanistan denkt.
    Good judgement comes from experience, experience comes from bad judgement.

  5. #15
    Benutzer Avatar von tyska
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    Die Probleme Afghanistans sind mit den zur Verfügung stehenden militärischen Mitteln langfristig nicht zu lösen.


    Also: Raus mit Schaden, aber so schnell wie möglich.

  6. #16
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    Zitat Zitat von Fokker Beitrag anzeigen
    was das deutsche Ehrenwort wert ist, sollte man aus der Geschichte gelernt haben.
    Wir können nur beeinflussen, welchen Wert es morgen hat.

    Der ganze Brei in dem da gerührt wird ist mir zu verquast und pseudointellektuell - Wir wollen eine Welt, in der Nationalismus hinter die intelligente, innovative, stabile, umweltbewusste Vielstaatenpolitik zurück tritt ?

    Dann bekämpft die Dummheit ! Wer international wahrlos Bomben zündet aus religiösen Gründen, der gehört in den Knast - wer Mädchen tötet, weil sie in eine Schule gegangen sind - dito.

    Es gibt die Islamisten auch in Deutschland, die aus den Klosterschulen der Taliban oder ähnlich verbrämten Organisationen stammen - morgen mehr als heute.

    Wenn wir noch etwas an Ideen und Tatkraft nach Afghanistan schicken können, um dort den Nährboden zu entsorgen, der diese Krankheit bei uns säht, dann sollten wir das tun - und denen nicht dass Signal geben, dass Afghanistan ihre sichere Zuflucht ist.

    Wir sind weiss Gott nicht angetreten um Afghanistan zu erobern oder zu zerstören - wir machen Schluss mit den Talibanfaxen und stabilisieren das Land - dann erst ziehen wir uns in übereinstimmung mit unseren Partnern zurück.

    Wenns nicht funktioniert und die Sicherheit dort mangelhaft ist muss eben jetzt etwas mehr Personal und vielleicht auch anderes Personal dort hin. Gebt den Taliban Handies und hört sie ab.
    A human being should be able to change a diaper, plan an invasion, butcher a hog, conn a ship, design a building, write a sonnet, balance accounts, build a wall, set a bone, comfort the dying, take orders, give orders, cooperate, act alone, solve equations, analyze a new problem, pitch manure, program a computer, cook a tasty meal, fight efficiently, die gallantly. Specialization is for insects."
    Robert Anson Heinlein

  7. #17
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    Die Taliban haben wieder Zulauf weil gegebene Versprechen nicht eingehalten wurden und wohl auch nicht werden. Ich war ursprünglich sehr für diesen Einsatz und wäre es auch noch, wenn sich für die Menschen dort endlich was ändern würde. Aber gemeinsame Sache mit Drogenhändlern zu machen, kann es nicht sein. Dadurch das da jetzt die Warlords wieder das Sagen haben, wurde für die Bevölkerung nur die Pest gegen Cholera eingetauscht.
    Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wußte das nicht und hat's gemacht.
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  8. #18
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    @T-Rex:
    Es ist doch gut,wenn man so ein klares Weltverständnis hat. Frei von Verquastheit und Pdeusointellektualität. Wohl durchdacht und gerichtet gegen die Dummheit in der Welt!
    Für intelligente, innovative, stabile und umweltbewußte Staaten in der Welt!
    Die Gegnerschaft ist klar:
    - Islamisten, vor allem Talibanfaxen (Ist dies vergleichbar mit den Abrafaxen? Oh, Entschuldigung, das sind ja Figuren des "Mosaik" von Hegen, immer dieser Osten!),
    -Kreationisten (Dürfen es auch noch ein paar Neuevangelikale dabei sein?)
    und natürlich
    -die Iren, diese Nationalisten, sie haben den hohen Sinn Europas nicht verstanden!
    Um uns recht zu verstehen: Mörderische Attentäter und religiös bzw. pseudokulturell verbrämte Mörder gehören natürlich hinter Gitter, lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung! Das gilt auch für den Terror im Baskenland, Kidnapper in Mexiko, die sudanesischen Reitermilizen, Karacic, Mugabe und somalische Piraten.
    Dummheit trifft man überall dort an, wo religiöse Überzeugung zur Quelle expressiven Hasses und zerstörerischer Gewalt gegen Andersdenkende wird. Da ist keine Religion unschuldig!

    PS: Klosterschulen gibt es im Islam nicht. Sie sind als schola monasticae bzw. claustrales eine Einrichtung christlicher Mönchs- und Nonnenklöster. Als ihr Begründer gilt Benedikt von Nursia. Du meinst sicherlich Koran-Schulen? Diese müssen aber keine Terroristencamps sein!
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  9. #19
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    @Fokker
    Aber es ist sicherlich nicht geboten unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. Die Frage ist nur, wie lange wir bleiben sollen. Welche Perspektive gibt es und wie könnte eine Exitstrategie aussehen? Ungeklärte Fragen, die unbedingt eine Antwort erfordern, bevor man an weiteres Engagement in Afghanistan denkt.
    Nun, ich hatte geschrieben das der Einsatz zwischenzeitlich ganz und gar nicht sinnvoll war (Strategie die nicht zum Ziel führen konnte) - während dieser Zeit sprach ich mich dagegen aus. Nun hatte ich auf der letzten Seite offensichtliche Veränderungen eingebracht die ich neuerdings wahrnehme. Für meinen Teil stimmt die Perspektive wieder ...
    Von einem weiteren Engagement kann nicht die Rede sein, eher Fortsetzung der bestehenden Aufgabe. Ein strategischer Rückzug kommt erst in Frage wenn das Ziel erreicht ist oder die USA Gedenken den Abschluss zu suchen.
    Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt.
    Hubert Reeves

  10. #20
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    Zitat Zitat von tyska Beitrag anzeigen
    Die Probleme Afghanistans sind mit den zur Verfügung stehenden militärischen Mitteln langfristig nicht zu lösen.
    Da frage ich mich doch, welches Fachwissen dir eine solch klare und eindeutige Einschätzung der Lage ermöglicht...

    Zitat Zitat von T-Rex Beitrag anzeigen
    Wir wollen eine Welt, in der Nationalismus hinter die intelligente, innovative, stabile, umweltbewusste Vielstaatenpolitik zurück tritt?
    Wollen wir das? Und wer sind "wir" überhaupt?

    Zitat Zitat von T-Rex Beitrag anzeigen
    Es gibt die Islamisten auch in Deutschland, die aus den Klosterschulen der Taliban oder ähnlich verbrämten Organisationen stammen - morgen mehr als heute.
    Die gibt es zwar, sie sind aber nicht unser eigentliches Problem. Schon garnicht in Bezug auf Afghanistan.
    Unser Problem sind junge, gut ausgebildete Muslime die seit Jahren im Westen leben, nicht selten europäische Staatsbürgerschaften haben und nun plötzlich anfangen in ihrer Wahlheimat Bomben zu legen. Afghanistan ist dabei nur ein winziges Teil des Problems, da einige der Täter dort ausgebildet wurden und ideologischen Rückhalt erhielten.

    Zitat Zitat von T-Rex Beitrag anzeigen
    Wenn wir noch etwas an Ideen und Tatkraft nach Afghanistan schicken können, um dort den Nährboden zu entsorgen, der diese Krankheit bei uns säht, dann sollten wir das tun
    Tun wir aber nicht. Selbst wenn wir die Taliban besiegen und Afghanistan in einen Vorzeigestaat verwandeln würden, ändert das nichts an dem weiter oben geschilderten Problem.

    Zitat Zitat von T-Rex Beitrag anzeigen
    und denen nicht dass Signal geben, dass Afghanistan ihre sichere Zuflucht ist.
    Das ist absolut notwendig. Aber nochmal: Afghanistan ist nur Teil eines wesentlich größeren Problems.

    Zitat Zitat von Au.Souchy Beitrag anzeigen
    Aber gemeinsame Sache mit Drogenhändlern zu machen, kann es nicht sein.
    Kann es offensichtlich schon, wenn man sich dadurch Ärger erspart.
    Wenn ISAF oder OEF gegen den Drogenanbau vorgehen, schafft man sich damit noch mehr Feinde als man ohnehin schon hat. Neben den Warlords und den Drogenhändlern bringt man auch noch große Teile der Bevölkerung gegen sich auf, die vom Mohnanbau leben.

    Zitat Zitat von Neuklon Beitrag anzeigen
    Ein strategischer Rückzug kommt erst in Frage wenn das Ziel erreicht ist oder die USA Gedenken den Abschluss zu suchen.
    Da würde mich doch glatt mal interessieren, welches Ziel wir in Afghanistan verfolgen.

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