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Thema: Das Mainzer Bundesbahn-Desaster

  1. #1
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    Das Mainzer Bundesbahn-Desaster

    Man könnte es als peinliche Blamage und Imageschaden für die DB oberflächlich abtun, lieferte das Personaldesaster am Mainzer Hauptbahnhof nicht einen tieferen Einblick in eine offenkundig gescheiterte personalpolitische Konzeption des größten Staatskonzerns.

    Ein Strukturproblem Mehdornscher Prägung (Stichwort: Börsengang) mit noch unabsehbaren Folgen oder eine temporäre, nicht vorhersehbare Kalamität im Betriebsablauf der Bundesbahn?

    Was denkt Ihr?
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  2. #2
    Administrator Avatar von tdd
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    Hi
    ich bin doch sehr erstaunt, dass so etwas möglich ist. Ich war der Meinung, dass es doch das Kerngeschäft der Bahn ist, Leute und Güter von A nach B zu bringen und die damit ihr Geld verdienen wollen. Besonders dramatisch finde ich aber das verbale "Schulterzucken" der Bahn, die die Situation einfach so hingenommen hat. Erst jetzt, wo das Thema in den Medien fahrt auf nimmt, versucht man (erfolglos) aus der Nummer heraus zu kommen.

    Es wird wohl einigen Mitarbeitern nichts anderes übrig bleiben, als ihren Urlaub abzubrechen, um die Fehler der Vergangenheit auszubügeln. Nicht für den Vorstand und den Chefs, sondern für den zahlenden Kunden.

    Edit:
    Nicht nur in Mainz hat die Bahn derzeit Probleme. Das Elbehochwasser hat auch die ICE-Strecke zwischen Wolfsburg und Berlin lahm gelegt. Das hat Auswirkungen auf den gesamten Fernverkehr. Wolfsburg wird gar nicht mehr von ICEs angefahren. Auch ICs sind stark ausgedünnt. Sind ja auch nur ein paar hundert VW-Mitarbeiter, die aus Berlin oder Hannover mit der Bahn anreisen... Ganz zu schweigen vom Fernverkehr, der mit massiven Verspätungen von und nach Berlin unterwegs ist. Auch hier macht die Deutsche Bahn nicht den Eindruck, als wäre das ein drängendes Problem. Denn erst 2 Wochen nachdem das Wasser weg war, hat man angefangen, die Strecke nach Schäden zu überprüfen. Angeblich musste die Strecke erst von toten Tieren befreit werden. Wann die Strecke wieder in Betrieb geht, ist auch unbekannt. Man spricht aber davon, dass die Strecke mindestens bis zum Jahresende gesperrt sei. Und nächstes Jahr? Unbekannt.
    mfg
    tdd

  3. #3
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    Zitat Zitat von tdd Beitrag anzeigen
    Hi
    ich bin doch sehr erstaunt, dass so etwas möglich ist. Ich war der Meinung, dass es doch das Kerngeschäft der Bahn ist, Leute und Güter von A nach B zu bringen und die damit ihr Geld verdienen wollen. Besonders dramatisch finde ich aber das verbale "Schulterzucken" der Bahn, die die Situation einfach so hingenommen hat. Erst jetzt, wo das Thema in den Medien fahrt auf nimmt, versucht man (erfolglos) aus der Nummer heraus zu kommen.

    Es wird wohl einigen Mitarbeitern nichts anderes übrig bleiben, als ihren Urlaub abzubrechen, um die Fehler der Vergangenheit auszubügeln. Nicht für den Vorstand und den Chefs, sondern für den zahlenden Kunden.
    Im Kern besteht das Problem ja wohl aus primären Strukturdefiziten und sekundären Managementfehlern.
    In jedem halbwegs erfolgreichen Unternehmen zöge eine solche Betriebssituation harsche Reaktionen der Inhaber resp. Aktionäre nach sich.
    Statt dessen windelweiche und beschwichtigende Krisensitzungen mit MP und Bahnvorstand ohne substanzielle Lösungen.

    Ich war immer ein Anhänger starker Staatsunternehmen, die DB AG lässt mich immer mehr daran zweifeln.

    Jedes Jahr mit unschöner Regelmäßigkeit ein neues Kardinalproblem mit der DB. Time for changes - Yes, we can?
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  4. #4
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    Die Fakten liegen doch auf der Hand. Die Bahn ist immer noch dabei sich kaputt zu sparen.

    Der Vater eines Bekannten wurde vor 2 Jahren mit 55 in Vorruhestand versetzt. Er arbeite in einem Stellwerk.
    Der bibbert gerade, dass ihn die Bahn wieder zurückhaben wollen könnte

  5. #5
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    Zitat Zitat von Slowmotion Beitrag anzeigen
    Die Fakten liegen doch auf der Hand. Die Bahn ist immer noch dabei sich kaputt zu sparen.

    Der Vater eines Bekannten wurde vor 2 Jahren mit 55 in Vorruhestand versetzt. Er arbeite in einem Stellwerk.
    Der bibbert gerade, dass ihn die Bahn wieder zurückhaben wollen könnte
    Das ist es aber doch nicht allein.
    Apropo: Bei der DB wäre ich ja dann auch schon Ruheständler, donnerlittchen.
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  6. #6
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    Zitat Zitat von Detlef05 Beitrag anzeigen
    Ein Strukturproblem Mehdornscher Prägung (Stichwort: Börsengang)
    Ein Problem dass vom Eigentümer der Bahn aber geradezu gewollt war. Mehdorn hatte den Auftrag die Bahn für die Börse fit zu machen. Die Bundesregierung hat die dafür ergriffenen Maßnahmen Jahr für Jahr wieder abgenickt.

    Zitat Zitat von tdd
    Es wird wohl einigen Mitarbeitern nichts anderes übrig bleiben, als ihren Urlaub abzubrechen, um die Fehler der Vergangenheit auszubügeln
    warum sollte sie dies tun? Rechtlich hat die Bahn nix in der Hand. Und solange die Stellwerke unterbesetzt sind, bleibt das Thema in den Medien und es besteht die Möglichkeit dass sich tatsächlich irgendwas tut. Den Urlaub abbrechen um die öffentlichen Gemüter zu beruhigen wäre das letzte was ich tun würde.

  7. #7
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    Zitat Zitat von tdd Beitrag anzeigen
    Das Elbehochwasser hat auch die ICE-Strecke zwischen Wolfsburg und Berlin lahm gelegt.
    ich glaube nicht dass das hier mit reingehört. Das Hochwasser kann man kaum der Konzernleitung anhängen.
    Und zig Kilometer Bahnstrecke nach Schäden im Oberbau/Bahndamm abzusuchen geht nun mal nicht in ein paar Wochen. Von den bereits bekannten Schäden bei Signal-/LSB/PzB-Einrichtungen ganz abgesehen. Wir reden hier von einer Schnellfahrstrecke über die mit 250km/h gebrettert wird. Ich bin da nicht böse wenn die Bahn hier Gründlichkeit vor Schnelligkeit stellt.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Detlef05 Beitrag anzeigen
    Man könnte es als peinliche Blamage und Imageschaden für die DB oberflächlich abtun, lieferte das Personaldesaster am Mainzer Hauptbahnhof nicht einen tieferen Einblick in eine offenkundig gescheiterte personalpolitische Konzeption des größten Staatskonzerns.
    Es geht weit darüber hinaus, nämlich dieses Personaldesaster liefert auch einen tiefen Einblick in die Idiotie kurzsichtiger neoliberaler "Profitoptimierung". Diese "offenkundig gescheiterte personalpolitische Konzeption" hat nichts damit zu tun, dass die DB ein Staatskonzern ist, sondern damit, dass man die DB von einem Staatskonzern in einen privatwirtschaftlichen überführen wollte. Um Kosten einzusparen (und damit die Gewinnaussichten zu maximieren) wurden auf Teufel komm raus Mitarbeiter entsorgt, solange, bis jetzt der Laden still steht.

    Zitat Zitat von tdd Beitrag anzeigen
    Besonders dramatisch finde ich aber das verbale "Schulterzucken" der Bahn, die die Situation einfach so hingenommen hat. Erst jetzt, wo das Thema in den Medien fahrt auf nimmt, versucht man (erfolglos) aus der Nummer heraus zu kommen.
    Ich fürchte, das "Schulterzucken" war weniger einer Gleichgültigkeit gegenüber den Problemen geschuldet als mehr einer tatsächlich vorhandenen Hilflosigkeit. Die Fachkräfte, die dort momentan zuhauf fehlen, kann man nicht durch einen Crashkurs für den Posten befähigen. Es war zu lesen, dass die Bahn längst die Strategie des Personalabbaus aufgegeben hat (weil vermutlich auch der Börsengang längst endgültig aufgegeben wurde) und jährlich 10.000 zusätzliche Leute eingestellt werden. Nur bis das Riesenpersonalloch, das Herr Mehdorn in seinem Wahn gerissen hat, wieder gefüllt ist, das dauert ein bisschen.

    Zitat Zitat von Detlef05 Beitrag anzeigen
    In jedem halbwegs erfolgreichen Unternehmen zöge eine solche Betriebssituation harsche Reaktionen der Inhaber resp. Aktionäre nach sich.
    Zu recht. Aber der Manager, der den Schlamassel zu verantworten hat, ist ja schon weg. Der jetzige trägt keine Schuld und entließe man ihn trotzdem, wäre das Problem dadurch auch nicht beseitigt.

    Zitat Zitat von Detlef05 Beitrag anzeigen
    Ich war immer ein Anhänger starker Staatsunternehmen, die DB AG lässt mich immer mehr daran zweifeln.
    Bleib bitte Anhänger starker Staatsunternehmen. Es liegt, wie schon gesagt, nicht daran, dass die DB ein Staatsunternehmen ist, sondern daran, dass sie keins mehr sein sollte.

    Zitat Zitat von Imago Beitrag anzeigen
    Ein Problem dass vom Eigentümer der Bahn aber geradezu gewollt war. Mehdorn hatte den Auftrag die Bahn für die Börse fit zu machen. Die Bundesregierung hat die dafür ergriffenen Maßnahmen Jahr für Jahr wieder abgenickt.
    Eben!

    Zitat Zitat von Imago Beitrag anzeigen
    Den Urlaub abbrechen um die öffentlichen Gemüter zu beruhigen wäre das letzte was ich tun würde.
    Sehe ich genauso. Wichtig wäre allerdings, den öffentlichen Gemütern nahezubringen, was in Wahrheit die Ursache ist.

  9. #9
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    Zitat Zitat von Imago Beitrag anzeigen
    warum sollte sie dies tun? Rechtlich hat die Bahn nix in der Hand. Und solange die Stellwerke unterbesetzt sind, bleibt das Thema in den Medien und es besteht die Möglichkeit dass sich tatsächlich irgendwas tut. Den Urlaub abbrechen um die öffentlichen Gemüter zu beruhigen wäre das letzte was ich tun würde.
    Jop. Erst recht wenn man sich die Überstundenkonten der Mitarbeiter in Stellwerken anschaut...
    (Ich habe noch 2 Bekannte die in Stellwerken arbeiten und habe sie mal gefragt.)

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