Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Flughafenstreik Frankfurt a. M.: Wer weiß mehr?

  1. #1
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
    Registriert seit
    31.08.2008
    Beiträge
    5.101

    Flughafenstreik Frankfurt a. M.: Wer weiß mehr?

    Bei Arbeitskämpfen stehe ich eigentlich gefühlsmäßig spontan zunächst auf Arbeitnehmer-Seite.
    Nun hat der Streik des Vorfeld-Personals bzw. die geplante Solidarisierung der Fluglotsen am Frankfurter Flughafen gar die Gerichte bewegt.
    Worum es aber dabei wirklich geht, wurde mir nicht klar:
    • Betroffene Flugreisende bezeichnen die Forderungen der Streikenden als "nackte Gier", Fraport als "absolut unangemessen".
    • Erneut steht die Rolle kleinerer Gewerkschaften zur Disposition.
    • Warum nimmt Fraport den Schlichterspruch des von der Flughafengesellschaft vorgeschlagenen Ole von Beys nicht an?
    Ganz Deutschland diskutiert die Situation. Wem aber ist klar, worum es geht?
    NIHIL HUMANI A ME ALIENUM PUTO. -
    Nichts menschliches ist mir fremd. (Menander)
    Politisches Salzland
    Timirjasev-Verein

  2. #2
    Benutzer
    Registriert seit
    15.11.2010
    Beiträge
    357
    Mal die GdF fragen! Allerdings sind die auf ihrer Internetseite nicht sehr mitteilsam.
    Zum Glück fliege ich morgen ab Tegel.

  3. #3
    Benutzer
    Registriert seit
    13.05.2011
    Beiträge
    1.179
    Mal ganz abgesehen von der Frage, ob die Forderung der Arbeitnehmer angemessen oder überzogen ist:

    Ich halte es für fatal, dass in letzter Zeit immer öfter Gerichte bemüht werden, um einen Streik zu verhindern bzw. zu verbieten. Was hat das denn noch mit der viel beschworenen "Tarifautonomie" zu tun, auf die immer wieder zu gerne beim Thema Mindestlohn und ähnlichen Dingen verwiesen wird? Also, wenn es gegen die Arbeitgeber geht, dann brauchen wir Tarifautonomie und keinesfalls Einmischung von staatlicher oder anderer Seite, und wenn es gegen Arbeitnehmer geht, dann brauchen wir staatliche Arbeitsgerichte.

    Sehe ich das so richtig?

  4. #4
    Benutzer
    Registriert seit
    03.01.2012
    Beiträge
    145
    Zitat Zitat von Beton Beitrag anzeigen
    Mal ganz abgesehen von der Frage, ob die Forderung der Arbeitnehmer angemessen oder überzogen ist:

    Ich halte es für fatal, dass in letzter Zeit immer öfter Gerichte bemüht werden, um einen Streik zu verhindern bzw. zu verbieten. Was hat das denn noch mit der viel beschworenen "Tarifautonomie" zu tun, auf die immer wieder zu gerne beim Thema Mindestlohn und ähnlichen Dingen verwiesen wird? Also, wenn es gegen die Arbeitgeber geht, dann brauchen wir Tarifautonomie und keinesfalls Einmischung von staatlicher oder anderer Seite, und wenn es gegen Arbeitnehmer geht, dann brauchen wir staatliche Arbeitsgerichte.

    Sehe ich das so richtig?
    Nicht wirklich.

    Zum eine ging es in diesem Rechtsstreit um die Wahrung der Verhältnismäßigkeit der Arbeitskampfmaßnahme - die war ja wohl nicht gegeben.

    2. Werden Arbeitskampfmaßnahmen seit Jahrzehnten nur noch auf der Arbeitnehmerseite eingesetzt - oder kannst Du Dich an eine Aussperrung erinnern?
    Wenn also Arbeitsgerichte über Arbeitskampfmaßnahmen entscheiden müssen, dann kann es nur um Streik gehen, andere Maßnahmen finden ja nicht statt.

    Mein Fazit:

    1. Streikrecht ist sehr gut und sehr wichtig
    2. Gewerkschaften, stake Gewerkschaften sind gut und wichtig
    3. Gewerkschaften, die nur zum Selbstzweck Kämpfen, um zu beweisen wie toll und wichtig sie sind, schaden der Tarifkultur! Wenn sie dann auch noch überdrehen und unverhältnismäßige Mittel wählen, dann sollten wir alle uns Gedanken machen, ob wir diese (ganz spezielle) Gewerkschaft noch brauchen, ob diese noch tragbar ist.
    Der Herr gebe mir Kraft, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

  5. #5
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    26.09.2007
    Beiträge
    883
    Zitat Zitat von Detlef05 Beitrag anzeigen
    Betroffene Flugreisende bezeichnen die Forderungen der Streikenden als "nackte Gier", Fraport als "absolut unangemessen".
    jährl. Gehalt Vorfeldlotse: 55.000€ -> Forderung GdF: 76.000€
    jährl. Gehalt Vorfeldarbeiter: 33.000€ -> Forderung GdF: 43.200€
    Durchschnittseinkommen in Frankfurt: 27.000€
    Und es handelt sich hier nicht um höherqualifizierte Jobs. Die erfordern weder Studium noch Berufsausbildung.
    Quelle

    "absolut unangemessen" ist imho noch milde ausgedrückt.

  6. #6
    Benutzer
    Registriert seit
    13.05.2011
    Beiträge
    1.179
    @ Moses

    Muss ich deiner Sichtweise zustimmen? Nein, ich glaube nicht. Ich bleibe - vorerst - bei meinen Zweifeln. Vielleicht findest du andere, bessere Argumente, die mich noch überzeugen können.



    Zitat Zitat von Moses Beitrag anzeigen
    Zum eine ging es in diesem Rechtsstreit um die Wahrung der Verhältnismäßigkeit der Arbeitskampfmaßnahme - die war ja wohl nicht gegeben.
    Das behauptet die Arbeitgeberseite. Und das Gericht hat sich der Sichtweise angeschlossen und ein entsprechendes Urteil erlassen. So weit der Sachverhalt, nur heißt das ja noch nicht, dass die Arbeitskampfmaßnahme tatsächlich unverhältnismäßig war. Aus Sicht der Gewerkschaft und der Arbeitnehmer war sie es nicht.

    Was ich hier sehe und was mir einigermaßen Sorgen macht ist Folgendes: Das Streikrecht wird mit Hilfe der Arbeitsgerichte ausgehebelt. Tut es dem Arbeitgeber weh (eigentlich der ureigene Sinn eines Streiks), dann ist es "unverhältnismäßig" und per Gerichtsbeschluss verboten. Streiks werden wohl nur noch dann erlaubt, wenn sie niemand schaden. Dann kann man es eigentlich auch gleich lassen.

    Zitat Zitat von Moses Beitrag anzeigen
    Werden Arbeitskampfmaßnahmen seit Jahrzehnten nur noch auf der Arbeitnehmerseite eingesetzt - oder kannst Du Dich an eine Aussperrung erinnern?
    Aussperrung kostet den Arbeitgeber genauso viel wie der Streik. Einfacher und für die Arbeitgeberseite wesentlich lukrativer ist es da, den Streik einfach vom Gericht verbieten zu lassen. Solange Gerichte sich als Werkzeug für Arbeitgeber hergeben, müsste jeder Arbeitgeber bescheuert sein, der aussperrt. Mal ganz davon abgesehen, dass bei den zaghaften Gewerkschaftsforderungen der letzten 20 Jahre ohnehin kein Grund war, auszusperren. Die Welt für Arbeitgeber ist geradezu paradiesisch.

    Zitat Zitat von Moses Beitrag anzeigen
    1. Streikrecht ist sehr gut und sehr wichtig
    2. Gewerkschaften, stake Gewerkschaften sind gut und wichtig
    Finde ich auch.

    Zitat Zitat von Moses Beitrag anzeigen
    3. Gewerkschaften, die nur zum Selbstzweck Kämpfen, um zu beweisen wie toll und wichtig sie sind, schaden der Tarifkultur! Wenn sie dann auch noch überdrehen und unverhältnismäßige Mittel wählen, dann sollten wir alle uns Gedanken machen, ob wir diese (ganz spezielle) Gewerkschaft noch brauchen, ob diese noch tragbar ist.
    Wer entscheidet denn, was überdreht ist? Das ist doch immer nur eine sehr individuelle Betrachtung. Ich will hier nicht beurteilen, ob die Forderung der Vorfeldarbeiter berechtigt ist oder nicht. Wenn allerdings von "überzogenen Forderungen" die Rede ist, möchte ich nur darauf verweisen, dass ähnliche Forderungen zuvor schon von Marburger Bund oder von der Pilotenvereinigung Cockpit gestellt und durchgesetzt wurden. Wenn sie durchsetzbar waren, können sie ja nicht so überzogen gewesen sein. Aber vielleicht ist darin die Ursache zu sehen: Man muss wohl bereits der Klasse der Top-Verdiener angehören, dann werden Forderungen gleich welcher Höhe nicht mehr als überzogen eingestuft.

  7. #7
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    26.09.2007
    Beiträge
    883
    Zitat Zitat von Beton Beitrag anzeigen
    Das behauptet die Arbeitgeberseite. Und das Gericht hat sich der Sichtweise angeschlossen und ein entsprechendes Urteil erlassen. So weit der Sachverhalt, nur heißt das ja noch nicht, dass die Arbeitskampfmaßnahme tatsächlich unverhältnismäßig war. Aus Sicht der Gewerkschaft und der Arbeitnehmer war sie es nicht.
    na gut, auch Richter sind nicht unfehlbar. Aber das kann man schwerlich ändern. Oder hast du ne bessere Alternative für unsere Judikative?

    Zitat Zitat von Beton Beitrag anzeigen
    Was ich hier sehe und was mir einigermaßen Sorgen macht ist Folgendes: Das Streikrecht wird mit Hilfe der Arbeitsgerichte ausgehebelt. Tut es dem Arbeitgeber weh (eigentlich der ureigene Sinn eines Streiks), dann ist es "unverhältnismäßig" und per Gerichtsbeschluss verboten. Streiks werden wohl nur noch dann erlaubt, wenn sie niemand schaden.
    glaube da machst du dir es dann doch ein wenig zu einfach. Würde das zutreffen würden wir ja überhaupt keine Streiks mehr erleben. Nebenbei wurde der Streik afaik auch nicht für illegal erklärt, weil er unverhältnismäßig ist, sonder weil ein paar der Forderungen gegen die Friedenspflicht des noch geltenden Tarifvertrages verstoßen. Würde die GdF ihre Forderungen entsprechend modifizieren dürften sie weiterstreiken.

  8. #8
    Benutzer
    Registriert seit
    13.05.2011
    Beiträge
    1.179
    Zitat Zitat von Imago Beitrag anzeigen
    na gut, auch Richter sind nicht unfehlbar. Aber das kann man schwerlich ändern. Oder hast du ne bessere Alternative für unsere Judikative?
    Nein, unser Rechtssystem ist so weit schon ganz ok. Nur finde ich, dass sie in Arbeitskämpfe nicht eingreifen sollten, denn tun sie das, hat das u.U. einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis und ist jenseits jeder Tarifautonomie. WENN man aber Gerichte derart eingreifen lässt, dann muss es auch dem Staat erlaubt sein, in die Tarifautonomie einzugreifen (Stichwort Mindestlohn).

    glaube da machst du dir es dann doch ein wenig zu einfach. Würde das zutreffen würden wir ja überhaupt keine Streiks mehr erleben.
    Das ist meine Sorge für die Zukunft.

    Nebenbei wurde der Streik afaik auch nicht für illegal erklärt, weil er unverhältnismäßig ist, sonder weil ein paar der Forderungen gegen die Friedenspflicht des noch geltenden Tarifvertrages verstoßen.
    Der Solidarstreik der Fluglotsen wurde wegen Unverhältnismäßigkeit verboten, da bin ich mir sicher. Was den Hauptstreik der Vorfeldmitarbeiter betrifft, wusste ich das nicht 100 Pro und lasse mich gerne belehren.

Ähnliche Themen

  1. Fjorde und mehr!
    Von Detlef05 im Forum Nachrichten
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 17.02.2011, 12:41
  2. Gott weiß alles
    Von Detlef05 im Forum Medien
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 28.01.2009, 18:34
  3. Einmal mehr
    Von Mc.Rae im Forum Politikforum
    Antworten: 30
    Letzter Beitrag: 02.11.2008, 13:42
  4. CDU hat mehr Mitglieder als SPD
    Von Fokker im Forum Politikforum
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 29.07.2008, 18:39
  5. Uni Frankfurt nimmt ausschließlich Abiturienten an
    Von Fokker im Forum Schule, Hochschule und Wissenschaft
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 02.02.2008, 11:56

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •