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Thema: Grüne Gentechnik in Deutschland vor dem Aus?

  1. #1
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    Frage Grüne Gentechnik in Deutschland vor dem Aus?

    In dieser Woche hat BASF Plant Science angekündigt, sich spätestens 2013 aus der (kommerziell orientierten) Grünen Genforschung in Deutschland zurückzuziehen und sein Heil auf den süd- und nordamerikanischen Märkten und sowie Asien zu suchen.
    Protagonisten der Sparte sprechen nun von irrationaler Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit in Deutschland, Deutschland werde erneut wie schon bei der Kerntechnik den internationalen Anschluss verlieren.
    Andererseits reagiert die BASF konsequent auf Verbraucher- und Marktverhalten.
    Ist der Abschied der BASF tatsächlich ein Schlag ins Gesicht der deutschen Forschungslandschaft?
    NIHIL HUMANI A ME ALIENUM PUTO. -
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  2. #2
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    Die deutsche Forschungslandschaft kann auch ohne die BASF existieren; allerdings reagiert die BASF, wie du bereits gesagt hast, lediglich auf die bestehenden Verhältnisse in Deutschland und wenn dieses Verhalten, das angesichts der bestehenden Verhältnisse hierzulande durchaus gerechtfertigt ist, sich auf andere Anwender zukunftsorientierter Technologien überträgt, dann könnte dies dem Standort Deutschland durchaus nachhaltig schaden.

    Naturgemäß wird man in Regionen dieser Welt, in denen Bevölkerungsexplosion und Nahrungsknappheit ernste Probleme darstellen, einer Technologie, die genau diese Probleme lösen könnte, weniger kritisch gegenüber eingestellt sein als in Deutschland, wo wir solche Probleme nicht kennen.

    Was die Deutschen an der Gentechnik zweifeln lässt (selbst wenn diese als "grün" deklariert ist), ist eine Mischung aus gefährlichem Halbwissen und gezielter Desinformation durch Öko-Aktivisten. Nicht wenige glauben, Bio-Tomaten enthielten keine Gene und seien daher ungefährlich (wer den Widerspruch nicht erkennt möge sich melden, ich werde ihn gerne erläutern).

    Die Gentechnik kann, wenn sie von Wissenschaftlern angewendet wird die ihr Handwerk verstehen und sich moralischen Grundsätzen verpflichtet fühlen, bedeutend größere Probleme lösen als sie möglicherweise verursacht. Und die Menschheit hat noch nie einen bedeutenden Fortschritt errungen, indem sie neue Erfindungen in Frage gestellt und als Gefahr betrachtet hat...
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  3. #3
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    Zitat Zitat von Detlef05 Beitrag anzeigen
    Ist der Abschied der BASF tatsächlich ein Schlag ins Gesicht der deutschen Forschungslandschaft?
    nö, wieso auch. Dächte eher das ist ein Grund zum Feiern.

    Zitat Zitat von Aslan Beitrag anzeigen
    Naturgemäß wird man in Regionen dieser Welt, in denen Bevölkerungsexplosion und Nahrungsknappheit ernste Probleme darstellen, einer Technologie, die genau diese Probleme lösen könnte, weniger kritisch gegenüber eingestellt sein als in Deutschland, wo wir solche Probleme nicht kennen.
    Nur ist es leider nicht Mutter Theresa die hier Genforschung betreibt, sondern Firmen die in erster Linie am finanziellen Gewinn interessiert sind. Und genau hier findet man auch die bisher "herausragendste Leistung" der Gentechnik. Steril Anbaukulturen die den Landwirt zwingen sich immer wieder aufs neue Saatgut zu kaufen. Wenn ich diese erzwungene Abhängigkeit der Bauern, die oftmals auch im finanziellen Ruin endet, aufrechne mit den versprochenen Verbesserung von genmodifierten Pflanzen, bezweifle ich, dass unter dem Strich noch was positives übrigbleibt.

    Man kann sicher über die Gentechnik und ihre Risiken offen diskutieren - ob sie für die Lösung des Nahrungsmittelproblems hilfreich sein kann, etc. Und Forschung und Untersuchungen in diesem Bereich haben imho auch hier durchaus seine Berechtigung.
    Aber auf die einzig gewinnorientierte Entwicklung von genmanipulierten Produkten kann ich auch sehr gerne verzichten.

    Und die ~150 Arbeitsplätze die da jetzt europaweit abgebaut werden, sind nun sicher nicht der Untergang der Forschungslandschaft und wird uns auch nicht ins Mittelalter zurückwerfen.
    Inwieweit diese empfundene Abneigung gegen Neues und die darausfolgende Abwanderung der Forschung nun auf andere Bereich überspringen wird - keine Ahnung. Spontan fallen mir keine konkreten anderen Gebiete ein.

    ( Ich fänds ja sehr hübsch wenn sich die Waffenindustrie zu einer ähnlichen Reaktion bequemen würde, aber leider verkaufen wir unsere Waffen ja immer hübsch an irgendwelche zwielichtigen Regimes in weiter Welt, so dass wir mit unserem Marktverhalten hierzulande leider keinen Druck ausüben können )

  4. #4
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    Zitat Zitat von Aslan Beitrag anzeigen
    Was die Deutschen an der Gentechnik zweifeln lässt (selbst wenn diese als "grün" deklariert ist), ist eine Mischung aus gefährlichem Halbwissen und gezielter Desinformation durch Öko-Aktivisten. Nicht wenige glauben, Bio-Tomaten enthielten keine Gene und seien daher ungefährlich (wer den Widerspruch nicht erkennt möge sich melden, ich werde ihn gerne erläutern)
    Worin besteht den die gezielte Desinformation durch Öko-Aktivisten?
    Ich kenne keinen, der der Meinung wäre, Tomaten aus kontrolliert ökologischem Anbau "enthielten" keine Gene und seien daher "ungefährlich". Aber offenbar sind Dir in dieser Hinsicht nicht nur "nicht wenige" bekannt, die durch "gefährliches Halbwissen" glänzen, sondern viele, die Deiner Belehrung bedürfen. Hier gibt es die nirgendwo. Also ran vor Ort!
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  5. #5
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    Bei der Bewertung von "Grüner Gentechnik" gibt es mehrere Aspekte zu beachten. Leider werden Diskussionen hierüber oft mit religiösem Eifer und ohne Kompromissbereitschaft geführt.

    Der erste Punkt ist eine Gefährdung der Menschen durch genveränderte Pflanzen. Hier sind bisher keine Nachweise für eine Gefährdung erbracht worden. Der Nachweis, das keine Gefährdung vorliegt ist naturgemäß deutlich schwieriger, aber trotzdem notwendig.

    Der zweite Punkt sind die Marktstrukturen. Wird hier wie bisher gearbeitet, dann haben wir ein Oligopol in dem Monsanto und BASF zu den größten Mitspielern gehören. Die Marktmacht müsste von staatlicher Seite reguliert werden.

    Der dritte Punkt sind die Auswirkungen auf die Bauern. Hier gibt es speziell in Lateinamerika sehr erschreckende Entwicklungen für die wirtschaftliche Stellung des Bauern und die Entwicklung seiner Umwelt.

    Vierter Punkt ist die Auswirkung auf Flora und Fauna insgesamt. Welche Veränderungen finden durch den Einsatz transgener Pflanzen statt? Sind diese Änderungen schädlich?

    Fünfter Punkt ist die Frage nach der Notwendigkeit transgener Pflanzen. Theoretisch können solche Pflanzen die Erträge steigern oder in ungünstigen Lagen überhaupt erst Anbau ermöglichen. Der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden kann gesenkt werden und somit die Umwelt geschont werden.

    Gibt es eine Güteabwägung über Chancen und Risiken oder nur ein Dafür/Dagegen?

    In Deutschland scheint es auf Dagegen hinauszulaufen.

  6. #6
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    Zitat Zitat von Aslan Beitrag anzeigen
    Die Gentechnik kann, wenn sie von Wissenschaftlern angewendet wird die ihr Handwerk verstehen und sich moralischen Grundsätzen verpflichtet fühlen, bedeutend größere Probleme lösen als sie möglicherweise verursacht.
    Der Absatz hat es in sich. Der Rest ist, ohne jetzt abwertend wirken zu wollen, mehr "Hülle".

    Also:
    "Wissenschaftler, die ihr Handwerk verstehen ..." - woher weiß ich denn, welcher sein Handwerk versteht? Von sich behaupten wird das vermutlich jeder. Bin ich, besser: sind wir alle nicht auf Gedeih und Verderb diesen Leuten ausgeliefert? Und ist in einer solchen Situation nicht ein gesunder Zweifel angebracht?

    "... und sich moralischen Grundsätzen verpflichtet fühlen ..." - das ist schon fast ein Schenkelklopfer. Wo gibt es heute noch moralische Grundsätze? Kein Wissenschaftler hat privat die Möglichkeit, diese Forschungen zu betreiben. Es wird also immer potenter Investoren bedürfen, in der Regel global agierende Konzerne. Imago wies bereits darauf hin, dass diese Leute nur die Forschung betreiben, die ihnen gute Gewinne verspricht. Und da redest du hier wortreich von "moralischen Grundsätzen"? Wahrscheinlich meinst du die Art moralischer Grundsätze, die Monsanto an den Tag legt.

    "... bedeutend größere Probleme lösen als sie möglicherweise verursacht." - sicher eine Frage der Betrachtung. Bei entsprechender Sichtweise löst die Erfindung der Atombombe ja auch die Ernährungsprobleme der Region, in der sie abgeworfen wird.

    Und die Menschheit hat noch nie einen bedeutenden Fortschritt errungen, indem sie neue Erfindungen in Frage gestellt und als Gefahr betrachtet hat...
    Manche Erfindung hätte man aber besser in Frage gestellt.

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