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Thema: Nabucco: Osteuropa sich selbst sein Urteil gesprochen

  1. #1
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    Nabucco: Osteuropa sich selbst sein Urteil gesprochen

    EU-Länder unterzeichnen geopolitisches Nabucco-Abkommen
    Diese Länder verwechseln wohl die Begriffe! Dieses Projekt wird nichts bringen als Verluste und noch mehr Abhängigkeit (vom Nahost). Das besagt das „Versprechen“ vom Irak, die Pipeline mit der Hälfte ihrer Kapazität zu versorgen, dabei nannte er keinen genauen zeitlichen Rahmen aus unbestimmten Gründen.
    Und was für eine Verbündete hat Osteuropa gewonnen hat – die Türkei! Dieses -gelöscht - kann Kurdistan mit dem Irak nicht teilen. Dieses Gebiet ist doch sehr, sehr instabil. Wie viele Bomben werden auf Nabucco abgeworfen?
    Bulgarien, Rumänien und Ungarn mussten sich vor der Unterfertigung des Abkommens damit bekannt machen: http://www.wall-street.ro/articol/en...agreement.html

    Edit: Herzlich willkommen auf GT und bitte auf die Forenregeln achten!

  2. #2
    Super-Moderator Avatar von Detlef05
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    Sollten sich die potentiellen Geldgeber und die entsprechenden politischen Entscheider wirklich nicht über Umfang und Inhalte der Risiken des NABUCCO-Pipelineprojekts im klaren sein? Schwer vorstellbar. Bestimmt hat man Chancen und Risiken gegeneinander aufgewogen und hat sich bewusst für altenative Quellen und einen entsprechenden Transitweg entschieden.
    NIHIL HUMANI A ME ALIENUM PUTO. -
    Nichts menschliches ist mir fremd. (Menander)
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  3. #3
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    Ein sehr interessantes Thema, was den gemeinen Beobachter leicht in die Irre führt. Ursprünglich sollte die Kapazitätsauslastung gesichert werden durch Verträge mit Staaten rund um das kaspische Meer (Kasachstan, Aserbaidschan, etc.). Die Rechnung hat Moskau durchkreuzt, in dem rasch langfristige Verträge mit ihnen vereinbart wurden. Bekanntlich hat Russland andere Interessen, hält sich seit einiger Zeit aber mit Kritik am Nabucco-Projekt zurück, dank der Vorsorge.

    Das hat das Projekt nur kurz Stocken lassen. Mittlerweile hat Brüssel einen anderen Weg eingeschlagen. Der ist hochbrisant und wird daher nur zögerlich verlautbart. Schlüsselpunkte bilden zwei Anlaufstellen. Zum einen Kurdistan, eines der letzten, fast unberührten, Öl- und Gaslagerstätten. Hierzu hat man sich auf einen Plan der ICG (International Crisis Group) berufen, einem westlichen Think Tank. Er sieht vor, den Irak mit allen Mitteln zu teilen. Während die Schiiten sich dem Iran anschließen sollen und die Sunniten Saudi-Arabien, wäre die Zeit gekommen für Kurdistan mit westlicher EU Anbindung. So verwundert es auch nicht, dass seit Kurzem einflussreiche Kurden sich eine Annäherung gen Westen vorstellen können. Kulturell? Natürlich nicht, es geht ums Geschäft und nebenbei um den Traum eines eigenen Staates. Untermauert wird das Ganze durch eine Personalie - Joschka Fischer. Kürzlich ins Nabucco-Projekt einbezogen, ist er doch schon länger ein wichtiges Mitglied der ICG.

    Kurz ausgedrückt: Brüssel forciert das Ende des Iraks, was man selbstredend nicht öffentlich äußern kann. Der Abzug der Amerikaner gibt dabei den Zeitplan vor. Alles was zu tun ist, ein Interessenbündnis mit den Kurden. Spalten sie sich ab, ist der restliche Irak kaum aufrechtzuerhalten.

    Der Iran wird dabei unterstützende Dienste leisten. Auch wenn es niemand so recht artikulieren möchte, die Pipeline führt aus Europa direkt in den Iran, zur zweiten Anlaufstelle. Dadurch hat Nabucco vorzügliche Aussichten vorzuweisen, falls die Sicherheit zu garantieren ist und die beiden Partner das Versprechen, was vorgesehen ist. Heikel ist es alle Mal.

    Deutlich wird ein weiteres Mal, aus welchen Gründen sich Europa mit der Türkei anfreunden sollte. Nächstenliebe? ... der Zweck heiligt die Mittel.
    Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt.
    Hubert Reeves

  4. #4
    Administrator Avatar von Fokker
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    Und der nächste Think Tank entwickelt einen Plan um Bayern von der BRD abzuspalten oder wie? Mag ja sein, dass es solche Planspiele gibt, praktikabel ist das allerdings nicht, außer man will sich den nächsten Krieg heranzüchten. Bei einer Teilung des Iraks würden auch Rohstoffe verteilt, die sich bestimmt niemand einfach so entgehen läßt. Zerfällt der Irak gibt es Krieg.
    Good judgement comes from experience, experience comes from bad judgement.

  5. #5
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    Zitat Zitat von Fokker Beitrag anzeigen
    Und der nächste Think Tank entwickelt einen Plan um Bayern von der BRD abzuspalten oder wie? Mag ja sein, dass es solche Planspiele gibt, praktikabel ist das allerdings nicht, außer man will sich den nächsten Krieg heranzüchten. Bei einer Teilung des Iraks würden auch Rohstoffe verteilt, die sich bestimmt niemand einfach so entgehen läßt. Zerfällt der Irak gibt es Krieg.
    Wenn du das so sehen möchtest? Nabucco ist jedenfalls kein Planspiel mehr. Russlands Versuche, die Versorgung mit Gas rund um das kaspische Meer zu torpedieren, sind ebenfalls Realität, Änderungen nicht ausgeschlossen. Von irgendwoher müssen die Gase wehen.



    Was sagt uns die Karte für den Fall das Russlands Strategie längerfristig aufgeht? Wie irrwitzig Politik und Pläne rund ums Rohstoffsdelta sind, zeigt der folgende, sehr interessante Bericht (Nabucco wird nur kurz angeschnitten).

    Pipelineistan

    Das die Suppe diesbezüglich noch nicht gelöffelt ist, keine Frage. Real und praktisch sind wir dem, was ich gestern zeichnete, dennoch recht nah. Im übrigen sind in unserer Welt Rohstoffe weit mehr Wert als Menschenleben, auch wenn das in Deutschland fern/irreal klingt. Ein weiterer Krieg im Irak wäre auszuschließen - EU, USA, Iran und Saudi-Arabien unter Einigkeit zugunsten einer Aufteilung des Iraks...wer bitte sollte Interesse haben, Granaten zu werfen?
    Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt.
    Hubert Reeves

  6. #6
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    Zitat Zitat von Neuklon Beitrag anzeigen
    Das hat das Projekt nur kurz Stocken lassen. Mittlerweile hat Brüssel einen anderen Weg eingeschlagen. Der ist hochbrisant und wird daher nur zögerlich verlautbart. Schlüsselpunkte bilden zwei Anlaufstellen. Zum einen Kurdistan, eines der letzten, fast unberührten, Öl- und Gaslagerstätten. Hierzu hat man sich auf einen Plan der ICG (International Crisis Group) berufen, einem westlichen Think Tank. Er sieht vor, den Irak mit allen Mitteln zu teilen. Während die Schiiten sich dem Iran anschließen sollen und die Sunniten Saudi-Arabien, wäre die Zeit gekommen für Kurdistan mit westlicher EU Anbindung. So verwundert es auch nicht, dass seit Kurzem einflussreiche Kurden sich eine Annäherung gen Westen vorstellen können. Kulturell? Natürlich nicht, es geht ums Geschäft und nebenbei um den Traum eines eigenen Staates. Untermauert wird das Ganze durch eine Personalie - Joschka Fischer. Kürzlich ins Nabucco-Projekt einbezogen, ist er doch schon länger ein wichtiges Mitglied der ICG.
    Wo gibt es denn diesen Plan der ICG?

    Ich lese da z.B.

    To the U.S. Government:
    7. Exercise strong pressure on Iraqi parties and deploy political, diplomatic, military and financial resources to ensure a responsible troop withdrawal from Iraq that leaves behind a sustainable state, including through a peaceful and durable accommodation of its Arab and Kurdish populations.
    8. Provide, in particular, full backing to UNAMI in mediating between Iraqi stakeholders on these key issues.
    9. Continue to apply pressure on Iraqi army and pesh*merga units not to take unilateral steps in disputed territories, and strengthen mechanisms aimed at improving communications and security cooperation to reduce chances of violent conflict.
    Hört sich nicht nach Spaltung an...

    Dieser Plan unterstellt also, das Türkei, die Kurden, die Saudis, die USA, die EU und der Iran gemeinsame Sache macht. Bei aller Wichtigkeit von Rohstoffen, aber ist das nicht ein bißchen viel des guten?

    Zudem du diese Internetpublikation falsch verstanden hast, der Vorschlag der ICG war ein Irak _ohne_ Kurdengebiete, die als Provinz Mosul an die Türkei gehen sollten (http://euro.zaman.com.tr/euro-de/detaylar.do?load=detay&link=5410). Ein Vorschlag zur Errichtung eines Kurdistan ist absurd und ein Kriegsgrund für die Türkei... Wäre dieser geradezu verschwörerische Plan entgegen aller bekannten internationalen Konfliktlinien so ausgetüftelt, hätte ihn die ICG wohl auch nicht als aktuelles Dosier zur Lage ins Internet gestellt. Was ungefähr halbjährlich geschieht, mit den unterschiedlichsten Ideen...

    http://www.crisisgroup.org/home/inde...36&l=1#reports

    aus welchen Gründen sich Europa mit der Türkei anfreunden sollte.
    Und aus dem selben Grund würrde ausgerechnet die Türkei ein unabhängiges Kurdistan tolerieren??


    grüße

  7. #7
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    Altkanzler Gerhard Schröder - Gasexperte - unterstrich die Bedeutung der iranischen Vorkommen für das Nabucco-Projekt. Vielleicht werden meine Worte nun nicht mehr unüberdacht ins Reich der Mythen und Legenden verschoben.
    Quelle
    Der Urknall ist in Wahrheit unser Horizont in der Zeit und im Raum. Wenn wir ihn als Nullpunkt unserer Geschichte betrachten, dann aus Bequemlichkeit und in Ermangelung eines Besseren. Wir sind wie Entdeckungsreisende vor einem Ozean: Wir sehen nicht, ob es hinter dem Horizont etwas gibt.
    Hubert Reeves

  8. #8
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    Nabucco. R.I.P.

    Totenschein für Nabucco Vom Anfang an war es für mich auch für jeden anderen Energiemanager ganz klar, dass Nabucco ein absolut unrentabeles Projekt ist. Das ist ja heller Wahnsinn, eine Pipeline dort zu verlegen, wo der Krieg jeden Augenblick ausbrechen könnte. Und was aserbaidschanisches Gas betrifft, sollte man Rücksicht drauf nicht nehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Baku und Aschgabat ihren Streit um die kaspischen Gasfelder schnell und auf friedlichem Weg nicht beilegen.

  9. #9
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    All diese Scherereien mit der Nabucco-Pipeline wird in eine Sackgasse führen...

    All diese Scherereien mit der Nabucco-Pipeline wird in eine Sackgasse führen, das liegt klar zutage. Und wenn wir uns es vorstellen, dass die Rohrleitung doch gebaut (möge sie zweimal kürzer sein), ist Aserbaidschan nicht imstande, sie zu füllen. Aus dem einfachen Grund, dass Baku über notwendige Gasvolumen nicht verfügt. Nicht umsonst gab Baku neulich seine Pläne hinsichtlich der Alternativen bekannt. Was besagt das? Es ist leicht zu erraten – Es mangelt den Aseris an Enegieressourcen schon heute! Wir werden schon nocht sehen, dass Aliew Europa statt Öl und Gas bald Sojabohnen und Raps vorschlägt!

  10. #10
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    Schwanengesang von Nabucco

    Welch langsamer und qualvoller Tod! Zuerst hatten BP und MOL Nabucco als gescheitert erklärt, nun hat der Energiekonzern RWE begriffen, dass er kein Gas aus dem Osten braucht und darum lohnt es sich nicht, drin anzulegen.
    RWE sagt Nabucco adieu
    Selbst wenn in die Röhre nicht wie erhofft Gas aus Aserbaidschan eingespeist werde - Es wird sicher kein Gas aus Aserbaidschan geben. Denn Baku verfügt über so große Gasvolumen nicht. SOCAR ist schon heute nicht imstande, abgeschlossenen Verträgen nachzukommen. Darum kann von künftigen Gaslieferungen nach Europa kein Rede sein. Es sei zudem das kaspische Problem nicht vergessen. Die Rechtstellung des Kaspischen Meers ist nicht bestimmt und Turkmenistan und der Iran erheben auf kaspische Gasfelder Anspruch.
    Ich kann mir in Europa nicht vorstellen, dass ein Land den Transit verbietet - Im Gegenteil, ich kann mir es leicht vorstellen, insbesondere wenn es um die Ukraine geht. Wir haben das mehrmals erlebt. Die Ukraine als Transitstaat ist ein großes Problem. Das ist der Staat, der uns jederzeit den Gashahn zudrehen kann.
    Ich kann also daraus nicht klug werden, worauf OMV hofft...

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